Wilfried Schock im Interview

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Wilfried Schock im Experteninterview auf Karriere im Social Media

Wilfried_Schock im Experteninterview auf Karriere im Social Media. / Foto: Bergmeister

Wilfried Schock, Jahrgang 1957, hat eine Berufsausbildung zum Bankkaufmann gemacht und eine Weiterbildung zum Fachkaufmann Marketing. Er arbeitet seit 1980 im Bereich Marketing und Vertrieb. Social Media ist seit 2006 sein Schwerpunkt und seit 2015 bildet er zudem Social Media Manager aus.

Seine persönlichen Highlights im Social Media waren: Die Einführung der mobilen Nutzung (vor Smartphone-Zeiten), die Integration von redaktionellem Content (dpa) in Social Media über Volunteerorganisation, die Methodenentwicklung für Social Media Strategien auf der Basis Geschäftsmodell (Business Canvas) und definierter Social Media Nutzungsformate.

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Social Media. Wie hat sich dieser Bereich aus Ihrer Sicht verändert?

Erfolge sind nicht mehr ganz so einfach zu erzielen, weil der Wettbewerb um Aufmerksamkeit faktisch explodiert. Die Bedeutung von Social Media als wirtschaftlich relevanter Erfolgsfaktor wird langsam deutlicher. Ich habe ab und an das Gefühl, dass zunehmend mehr Menschen tatsächlich wissen, wovon sie reden. Als Messlatte dafür nehme ich die zutreffende Benutzung der Begriffe „Community“ und „Audience“.

Wie sieht die Ausbildung zum Social Media Manager bei Ihnen aus?

Ich bilde Social Media Manager mit strategischer Kompetenz (neben der Anwendungskompetenz) aus. Strategische Kompetenz steht bei mir für die Fähigkeit, das ganze Leistungspotenzial von Social Media – auf der Basis strukturierter Nutzungsformate – zu verstehen, das Geschäftsmodell eines Unternehmens und seine Wettbewerbsfähigkeit durch Social Media strukturell unterstützen zu können und nicht zuletzt auch die Auswirkungen von Social Media auf ein bestehendes Geschäftsmodell erkennen und beantworten zu können. Das erscheint mir für die Entwicklung einer Social Media Strategie unverzichtbar, und weil es dafür in der Literatur keine in sich schlüssige Methode gibt, habe ich die letzten Jahre dafür genutzt, eine praktisch anwendbare Methode zu entwickeln, die auf der Methode des Business Canvas von Osterwalder & Pigneur aufbaut.

Buchtipp:

Business Model Generation, Alexander Osterwalder & Yves Pigneur, campus Verlag, ISBN 978-3-593-39474-9

Warum ist eine Social Media Strategie so wichtig?

Eine gute Social Media Strategie erschließt das ganze Leistungspotenzial von Social Media, zeigt die Auswirkungen von Social Media auf das bestehende Geschäftsmodell und sichert ein Stück der Wettbewerbsfähigkeit. Darüber hinaus definiert die Strategie den Weg mit dem ein Unternehmen wirtschaftliche Erfolge mit und durch Social Media realisiert und macht diese Erfolge messbar. Social Media ohne eine Strategie, die diesem Anspruch einigermaßen gerecht wird, läuft permanent Gefahr, strukturelle Risiken zu übersehen und Chancen nicht ausreichend zu nutzen.

Mit welchen KPIs statten Sie Ihre Social Media Strategien aus?

Ich denke nicht in einzelnen KPIs, sondern in wirtschaftlichen Zielen, die via KPI messbar sind. Das können Beiträge zur Kundenbindung, zur Neukundengewinnung etc. sein, je nach Schwerpunkt der Strategie.

Können Sie ein günstiges Monitoring-Tool für Agenturen bzw. KMUs empfehlen? Mit welchen Tools haben Sie gute Erfahrungen gemacht?

Günstig und gut habe ich noch in keinem Tool vereinbart gefunden. Und bei so wichtigen Werkzeugen ist Qualität unverzichtbar. Persönlich schätze ich als Tool brandwatch. Die Kosten für dessen Nutzung hängen vom Datenvolumen ab und beginnen mit ca. 600,00 € monatlich.

Meine Empfehlung:

  1. Lesen Sie nach, was Monitoring leisten kann. Die Zeit müssen Sie auf jeden Fall investieren.
  2. Machen Sie sich einfach zuerst einmal ein Bild davon, was genau Sie via Monitoring warum wissen und wie nutzen wollen.
  3. Selektieren Sie grob die Angebote über die Leistungsprofile der einzelnen Tools.
  4. Lassen Sie sich dann von den Kandidaten in der Endrunde ein Demo erstellen.

Warum findet man Sie nicht auf Facebook mit einer eigenen Fanseite?

Man findet mich dort. Aber ich muss gestehen, dass ich diese Fanpage nicht mehr pflege. Es macht für meine spezielle Situation, mein Geschäftsmodell, wenig Sinn. Meine Audience erreiche ich auf direktem Weg besser (weil sie sehr klein und spezifisch ist). Consulting Kunden kommen nach einer Google-Recherche zu mir. Zuletzt ziehe ich es vor, über meine Reichweite besser verfügen zu können, als FB mir das ermöglichen würde. Der Aufwand, eine Reichweite zu meinem Thema aufzubauen und zu pflegen, ist in Facebook nicht so viel geringer, als dass dies für mich ein Argument für eine Wiederbelebung meiner Page wäre. Dies liegt allerdings auch daran, dass ich über sehr spezifischen unique Content verfüge.

Welche Maßnahmen empfehlen Sie Firmen zur Generierung von Leads?

Konkrete Ratschläge für Situationen, die ich nicht kenne, und für Einsteiger in die Materie, gebe ich nicht. Aber dieser Hinweis zum Thema Reichweitenaufbau erscheint mir angebracht: Überlegen Sie sich zuerst, welche qualitativen Anforderungen an die eigene Reichweite gestellt werden sollen, bevor Sie sich an den Aufbau der Reichweite machen. Wer an seine Reichweite keine qualitativen Anforderungen stellt, also keine Qualitätskriterien für seine Reichweite definiert, sollte nicht überrascht sein, wenn die Qualität – also die wirtschaftliche Relevanz dieser Reichweite – nicht besonders gut ausfällt. Bildlich gesprochen: Wer mit Katzenbildern agiert, sollte besser Katzenfutter verkaufen.

 

 

 

 

 

 

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Wilfried Schock im Interview

by Karriere im Social Media time to read: 3 min
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