Martina Rieken im Interview

Veröffentlicht am von

Martina Rieken im Interview bei Karriere im Social MediaMartina Rieken ist seit 15 Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit tätig und arbeitet aktuell für das Konsortium Ziviler Friedensdienst in Bonn. Außerdem ist sie ehrenamtlich tätig und organisiert dabei das Social Media Netzwerk Hashtag Some im Raum Köln.

 

Stell dich, deinen aktuellen Job und dein Unternehmen vor.

Ich bin Ostfriesin und nicht nur als Kind von der Küste mit vielen Wassern gewaschen. Seit mehr als 15 Jahren bin ich beruflich in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Seit Mitte Oktober und wie bereits von 2008 bis 2010 arbeite ich als Koordinatorin für Öffentlichkeitsarbeit für das Konsortium Ziviler Friedensdienst (www.ziviler-friedensdienst.org) in Bonn. In dieser Position koordiniere ich die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit von neun Organisationen, die weltweit Projekte im Zivilen Friedensdienst durchführen. Der ZFD entsendet Fachkräfte zu Partnerorganisationen weltweit, um Gewalt ohne militärische Mittel einzudämmen und die zivilen Kräfte der Gesellschaft dabei zu stärken, friedliche Wege aus Konflikte zu finden. Außerdem organisiere ich seit Ende 2014 ehrenamtlich das Kölner Format des bundesweiten Social Media- Netzwerks Hashtag Some (www.hashtag-some.de). In Köln läuft der Stammtisch unter dem Hashtag #SoMeK. Wir treffen uns etwa alle zwei bis drei Monate mit externen oder netzwerkinternen Referentinnen und Referenten und tauschen uns über aktuelle Themen der Social Media-Welt aus.

Was sind die Hauptaufgaben in deinem aktuellen Job? Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Auf dem Rad durch die Kölner Südstadt zum Südbahnhof flitzen und hoffen, dass die Bahn Richtung Bonn pünktlich und nicht überfüllt ist. So beginnt ein typischer Arbeitstag für mich. Dann geht es weiter wie in den meisten Jobs: Raum durchlüften, Rechner anwerfen, Anrufbeantworter abhören, Mails checken, mentale Prioritätenliste machen, Kaffee holen – loslegen. Die Social Media-Accounts checke ich meistens bereits in der Bahn per Smartphone. Meine Aufgabe ist die Koordination und Umsetzung der gesamten gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit im ZFD. Dazu gehört, dass ich strategische Konzepte für Online- und Offline-Maßnahmen erstelle und abstimme, Materialien konzipiere und umsetze, Medienarbeit leiste, die Internetseite (mit) pflege und unsere Social Media-Kanäle betreue. Auf den Online-Bereich möchte ich mich im kommenden Jahr mehr konzentrieren. Mir schwebt dabei ein internationaler Blog vor – falls die Idee in unserem Netzwerk auf Gegenliebe stößt. Insgesamt ist die Online-Kommunikation jedoch nur ein Teil meines Aufgabenspektrums.

Welchen Karriereweg hast du eingeschlagen um dorthin zu kommen, wo du heute bist

Ich bin eigentlich Diplom-Pädagogin und habe an das Studium anschließend ein PR-Volontariat in einer Hamburger Agentur absolviert. Danach habe ich ein, zwei Jahre als Redakteurin und freie Journalistin gearbeitet. Einschneidend war mein Einsatz für den Deutschen Entwicklungsdienst (heute GIZ) in Bolivien. Dort habe ich zweieinhalb Jahre gelebt, auf 4.000 Meter Höhe in der Anden-Stadt La Paz. Gemeinsam mit einheimischen Kolleginnen und Kollegen baute ich dort interne und externe Kommunikationsstrukturen für einen landesweiten Verband für Ernährungssicherheit und Wirtschaftsförderung auf. Seit dieser Zeit arbeite ich -mit einer Ausnahme- für Institutionen und Organisationen aus dem friedens- und entwicklungspolitischen Bereich.

Welche Fähigkeiten bzw. Studienabschlüsse sind in deinem aktuellen Job gefragt?

In meinem Job ist es wichtig, unterschiedliche Interessen zusammen zu bringen und auszubalancieren, damit die Arbeit vorankommt. Ich muss Vorschläge und Ergebnisse liefern, mit denen neun Organisationen unterschiedlicher Couleur ihre spezifische Arbeit im ZFD identifizieren können. Das macht Spaß, ist manchmal eine große Herausforderung und erfordert kommunikative Kompetenzen. Entscheidend sind Rund-Um-Kenntnisse in Öffentlichkeitsarbeit und Online-Kommunikation.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Social Media Manager braucht?

Aus meiner Sicht sind generell Erfahrungen in der Unternehmenskommunikation bzw. Öffentlichkeitsarbeit extrem wichtig, gewürzt mit einer großen Portion Empathie, um sich in die Gesprächspartnerinnen und -partner hinein denken zu können. Schnelle Reaktionsfähigkeit, Entscheidungsfreude und Mut zum Experimentieren sind aus meiner Sicht ebenfalls von Bedeutung – außerdem strategische Weitsicht, um mögliche Konsequenzen der Posts und Tweets für die eigene Organisation zumindest in etwa abschätzen zu können. Außerdem ist es wichtig, gelassen zu bleiben, wenn der Ton aus den Online-Netzwerken einem einmal nicht so behagt. Und man darf sich nicht zu schade sein, die Social-Media-Kanäle auch am Wochenende und an Feiertagen im Blick zu haben. Das gehört dazu.

Was war aus deiner Sicht die wichtigste Weichenstellung zu Beginn deiner Laufbahn?

Wie schon erwähnt, war mein Einsatz in Bolivien eine entscheidende Weichenstellung. Seitdem engagiere ich mich beruflich für friedens- und entwicklungspolitische Themen. Allerdings hat mich die Entscheidung, in einem Kommunikationsprojekt im Entwicklungsdienst zu arbeiten, damals auch von meiner journalistischen Arbeit entfernt. Das ist etwas, das ich manchmal schade finde. Mir hat außerdem eine mehrmonatige Vollzeitweiterbildung in Social Media-Kommunikation die Augen dafür geöffnet, wie viel breiter mein Handlungsspektrum als Öffentlichkeitsarbeiterin durch diese Medien geworden ist.

Welche Tipps würdest du Kandidaten geben, die sich für eine Karriere im Social Media interessieren?

Das kommt ganz darauf an, was man im Bereich Social Media machen möchte. Für strategische Aufgaben empfehle ich die intensive Auseinandersetzung mit dem Handwerkszeug der Öffentlichkeitsarbeit. Für mich persönliche bilden Kenntnisse in diesem Bereich einen soliden Grundstein für das sichere Agieren im Social Web. Auch privat sollten sich Interessenten für Social Media interessieren und mit eigenen Profilen aktiv sein. Jemandem, der sich privat nicht mit Social Media beschäftigt, würde ich von einer Karriere in Social Media eher abraten.

Was spricht für und was gegen einen Job im Social Media?

Dafür spricht sicherlich, dass es aufregend ist und bleibt, da sich in kaum einem Jobumfeld so häufig und viel ändert wie in Social Media. Das macht es sehr abwechslungsreich. Die Kehrseite ist, dass man sich ständig gut informieren muss, um auf dem Laufenden zu bleiben. Das kostet Zeit. Außerdem kann es sein, dass öfter Wochenendarbeit ansteht, was auch nicht jedem gefällt.

Was war das Highlight in deiner bisherigen Karriere?

Mein Highlight war meine intensive Medienarbeit mit den bolivianischen Medien; wir waren sehr stark in Radio, TV und Print vertreten. Die Arbeit war viel lockerer und entspannter als die mit deutschen Medien. Außerdem konnte ich dort eine einheimische Partnerin in praktischer Öffentlichkeitsarbeit trainieren. Sie ist bei dem Thema geblieben und arbeitet heute als Journalistin in Venezuela. Ihren Karriereweg zu beobachten, dessen Grundsteine ich legen durfte, erfüllt mich mit großer Freude.

Wie stellst du dir  deinen weiteren Karriereweg vor?

Ich bin nach fünf Jahren in anderen beruflichen Bereichen gerade wieder zum Zivilen Friedensdienst zurückgekehrt. Ich hoffe, dass ich dort in den nächsten Jahren online und offline einiges bewegen kann, um die Arbeit des ZFD bekannter zu machen. Ich möchte vor allem die Fachkräfte mit in die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation einbinden – weltweit – und ich hoffe, dass das klappt und auf breite Zustimmung im ZFD stößt. Mir ist es wichtig, dass Menschen wissen, dass es wirksame gewaltfreie Alternativen zu militärischen Einsätzen gibt.

Auf welchen Social Media Kanälen bist du vertreten?

Facebook
Twitter
Google+
Xing

 

Welche Social Media Kongresse / Messen empfiehlst du?

Die SMAK habe ich bereits zwei Mal besucht und kann sie jedem empfehlen, der oder die einen Überblick über die Strategien unterschiedlicher Unternehmen erhalten möchte. Ansonsten sämtliche Barcamps, die sich mit Social Media beschäftigen, weil dort intensiver und unprätentiöser Austausch stattfindet.

Welche Social Media Fachbücher / Fachliteratur empfiehlst du?

Ich empfehle folgende Fachbücher:
Social Media Marketing und Recht von Thomas Schwenke, PR im Social Web von Marie-Christine Schindler und Tapio Liller, Live-Streaming mit Hangout-on-Air von Hannes Schleeh und Gunnar Sohn.

nach oben

Martina Rieken im Interview

by Karriere im Social Media time to read: 5 min
0